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Die Brosche
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Eine große, schlanke Frau in engem Kostüm trat mit langen sehnigen Schritten in den Saal. „Mc Kinnerhan, July, Abigal Mc Kinnerhan ist mein Name Fräulein Hawk!“ Die jungen Frauen verstummten und die Ausbilderin setzte sich auf die Kante des Pultes. „Zunächst einmal herzlich willkommen und Glückwunsch, daß sie es bis hierher geschafft haben.“ Mc Kinnerhan hob einen dünnen Stapel Akten hoch, zupfte eine Mappe heraus und schaute Kitty geradewegs an. „Auch wenn es hier und da noch einige Schwächen gibt, wie bei ihnen Fräulein Hawk, Fechten und Latein dürften besser werden, nicht wahr?“ Kitty verdrehte die Augen. „Und ihnen Fräulein Dobbs und Balmer fehlt es an Treffsicherheit mit der Waffe. Aber dazu später. Bevor wir beginnen werden aus ihren hübschen Körpern echte weibliche Waffen zu machen, möchte ich jede von ihnen kennen lernen.“ Unruhiges Tuscheln ging durch die jungen Frauen. „Nein, nicht so wie sie sich vielleicht denken. Jede von ihnen... „ Mc Kinnerhan ging jetzt mit langsamen Schritten vor den Schülerinnen auf und ab, „jede von ihnen wird von mir eine Aufgabe bekommen. Wird die Aufgabe von Ihnen gelöst, können sie dies als bestandene Aufnahmeprüfung in meinen Kurs betrachten. Sollten sie versagen ...“ Mc Kinnerhan wandte sich den Mädchen zu, und Kitty und Veronica fühlten sich, als wären sie mit einem Male nackt, und die Ausbilderin könnte bis tief in ihr Innerstes blicken.

 „Nun, ein Versagen gibt es nicht. Nicht bei mir! Ich möchte, daß sie das wissen und verinnerlichen.“ Mai Ling warf ihr rosa gefärbtes Haar in den Nacken, und mit einem schmolligen Unterton und nicht ohne leichten Vorwurf in der Stimme sagte sie: „Wir haben unsere Prüfung längst ...“ Mc Kinnerhan unterbrach sie abrupt. „Sagte ich nicht Fräulein Ling, das ICH ihnen diese Aufgabe stelle? Und ICH werde sie höchstpersönlich aus der Ausbildung entfernen, wenn sie ihre Aufgabe nicht erfolgreich absolvieren sollten. Haben sie mich verstanden? Haben mich alle hier verstanden?“
 
Die Spätsommersonne tauchte die Filiale des Bankhauses Pringelton & Sons in der Manton Road in warmes Vormittagslicht. Sir Andrew Emerald Hoggrave, fast einen Meter neunzig mußte den Kopf einziehen als er aus dem nostalgischen Taxi stieg. Er zahlte ohne den Fahrer eines Blickes zu würdigen, zupfte die Tweed Jacke seines Anzuges glatt, strich sich die schütteren Haare aus der Stirn und reckte sich zu voller Größe. Mit weit ausgreifenden Schritten betrat er selbstbewußt die beeindruckende Empfangshalle des Bankhauses. Hier standen wie Wächter aus einer fernen Vergangenheit Marmorsäulen spalier und trugen eine mit Ornamenten reich verzierte Bogendecke. Doch Sir Andrew Emerald Hoggrave konnte die Umgebung nicht beeindrucken, denn er kam jeden Tag hierher. Und wie jeden Tag wurde er mit einer angedeuteten Verbeugung vom Schalterangestellten empfangen, der nun schon seit über drei Jahren jeden Morgen die Begrüßung wie eine heilige Formel vorbetete. „Einen guten Morgen Sir Hoggrave, ich freue mich sie bei Pringelton & Sons begrüßen zu dürfen. Sie möchten in den Tresorraum?“ „Danke Winston, natürlich.“ Antwortete Hoggrave knapp. Er machte nie mehr Worte als unbedingt nötig. Er fand Konversation, wenn sie nicht sein Fachgebiet als Anwalt betraf, nur lästig. „Wenn sie mir bitte folgen würden...“ Winston öffnete eine Tür hinter den Schaltertischen und ging auf eine schmale Treppe zu, die in die Tiefen der Bank führte. „... ich werde vorausgehen.“ Auch dies gehörte zum täglichen Ritual. „Wenn ich um ihren Schlüssel bitten dürfte.“ Winston und Hoggrave standen vor einer Wand mit unüberschaubar vielen Schließfächern. Die Schlösser funkelten und schienen einen Hinweis auf die hier hinterlegten Werte geben zu wollen. Mit gekonnter Bewegung drehte der Bankangestellte die Schlüssel gleichzeitig und die Klappe des Faches sprang mit leisem Klick auf. „Danke Winston.“ Hoggrave schob sich vor das Fach, als wollte er verhindern daß Winston einen Blick des Inhaltes erhaschen könnte.“ „Benötigen sie noch etwas Sir?“ „Sie können gehen, Danke.“ Langsam zog Sir Hoggrave die Schublade des Faches auf. Darin befanden sich ein Briefumschlag und ein schwarzer Samtbeutel. Der Anwalt sah sich um, und nahm, als er feststellte, daß der Bankangestellte den Tresorraum bereits verlassen hatte, den kleinen Beutel aus dem Fach, öffnete ihn und nahm die antike Brosche heraus.